philosophie

Ausgehend von einer ganzheitlichen Lebensphilosophie schließt das vielfältige OEuvre des Künstlers Stephan Fillitz das Design ebenso ein wie die Architektur...

kritik

Das Museum Haus Konstruktiv ist die einzige Institution in der Schweiz und eine der führenden weltweit, die sich intensiv der Aufarbeitung und Förderung der konkreten...

statements

Realität sollte nicht abgebildet, sondern selbst gebildet werden – Kunst einer inneren Ordnung, einer transzendenten allgegenwärtigen Kraft...

philosophie

Ausgehend von einer ganzheitlichen Lebensphilosophie schließt das vielfältige OEuvre des Künstlers Stephan Fillitz das Design ebenso ein wie die Architektur.
Angefangen von seinen schwebenden Eisenplastiken bis hin zu den jüngsten Lichtinstallationen lässt sein Gesamtwerk eine geradlinige Entwicklung erkennen. Die Frage des RAUMES ins Zentrum seiner künstlerischen Auseinandersetzung stellend, verfolgt Stephan Fillitz konsequent sein Bestreben den geistigen, ideellen Wert der Kunst hervorzuheben und so die Kunst von ihrer Materialität zu befreien – sie aufzulösen.

Eine Vision, die ebenfalls durch das schriftliche Werk des Künstlers zur Geltung kommt. Die Texte sind jedoch weder als Erklärung noch als Erweiterung gedacht, sondern stehen seinem praktischen Schaffen gleich-wertig zur Seite.
Seine kunstgeschichtliche Auseinandersetzung – insbesondere mit der Entwicklung der geometrischen Konkreten seit Beginn des 20. Jahrhunderts – wird dabei ebenso ersichtlich, wie sein kritisches, jedoch stets wachsames Auge auf gesellschafts-, kultur- und wirtschaftspolitische Ereignisse.


Das ihn hierbei leitende gesamtheitliche Weltbild resultiert aus der langjährigen Beschäftigung des Künstlers mit philosophischer Theorie und dem fernöstlichen Denken des ZEN. Diese Themen und seine damit verbundene Vision manifestieren sich im Werk und verdeutlichen die Überzeugungen des Künstlers. Das NICHTS – die Leere – das Verschwinden, welches in seinen Lichtinstallationen zum Ausdruck gelangt, vermag der Künstler bereits durch das graphische OEuvre zu suggerieren. In der direkten Auseinandersetzung mit dem Komponisten John Cage offenbart gerade der jüngste Werkzyklus seiner Lichtmalereien – der Laser Cutts (2007–2013) – die fortwährende Suche nach Auflösung, nach dem Nirgends von dem man kommt und in welches man geht.


Bei aller Radikalität bleibt das Gesamtoeuvre von Stephan Fillitz dennoch Suggestion. Ein Hinweis, eine Anregung für die Vision einer menschlichen Weltsicht.Was davon jedoch übernommen wird und was verworfen, liegt stets im Ermessen des Rezipienten – seinen Gedanken, seiner Emotion. Dies ist ALLES und NICHTS, was er für sich beanspruchen kann.


Luisa Fillitz | Wien, Oktober 2013     

kritik  critic no critic

haus konstruktiv

Das Museum Haus Konstruktiv ist die einzige Institution in der Schweiz und eine der führenden weltweit, die sich intensiv der Aufarbeitung und Förderung der konkreten, konstruktiven Kunst widmen. Sein Standort in Zürich ist dabei kein Zufall, haben sich doch hier in den 1930er Jahren die vier wichtigsten Schweizer Protagonisten der konkreten Kunst zur international bekannten Gruppe der »Zürcher Konkreten« zusammengeschlossen: Max Bill, Camille Graeser, Verena Loewensberg und Richard Paul Lohse. Doch nicht nur den Wurzeln der konkreten Kunst gilt unsere Aufmerksamkeit. Vielmehr ist es uns auch ein wichtiges Anliegen, die Einflüsse dieser Kunstrichtung auf spätere Strömungen aufzuzeigen.


Die Verarbeitung der konkreten Gestaltungsgrundlagen – das bildnerische Interesse an Klarheit, Reduktion und Systematik – lässt sich über die Minimal Art, die Konzeptkunst oder auch die Radikale Malerei bis in das zeitgenössische
Kunstschaffen verfolgen. Dieser Tatsache wird in den jährlich etwa vier bis sechs Wechselausstellungen des Haus Konstruktiv Rechnung getragen, indem wir immer wieder künstlerische Positionen der Gegenwart in ein dialogisches Verhältnis stellen zu wichtigen Werken der klassisch-konkreten Prägung.


Mit unserer Ausstellungsreihe »Visionäre Sammlung« realisieren wir das Konzept einer ideellen Sammlung, in der vor allem die gedankliche Verbindung zwischen unserem konkret-konstruktiven Erbe und den jüngsten Kunstentwicklungen erkennbar werden sollen. Volume 6 dieser Ausstellungsreihe trägt den Titel »Passage Tradition«. Neben Werken aus der frühen Phase der Schweizer konkreten Kunst werden wir u.a. eine konzeptuelle Arbeit des italienischen Künstlers Arcangelo Sassolino präsentieren, die seit 2007 als Dauerleihgabe zu unserer
Sammlung gehört.


Umsetzen möchten wir ausserdem den von Stephan Fillitz erarbeiteten Entwurf eines begehbaren Lichtraumes.
Wir sind davon überzeugt, dass diese reduzierte und zugleich spektakuläre Installation sich sinnvoll in den Kontext unserer Ausstellung einfügen und unser Themenfeld um einen faszinierenden Ansatz erweitern wird. Die Klarheit und poetische Kraft der Lichträume von Stephan Fillitz wird, auch davon sind wir überzeugt, ein grosses Publikumsecho hervorrufen.


Dr. Britta Schröder
Wissenschaftliche Mitarbeiterin Haus Konstruktiv, 2008

   

kritik  critic no critic

In den Arbeiten von Stephan Fillitz kommen Interessen und Fähigkeiten zum Ausdruck, die in vielfacher Hinsicht für die Entwicklung sowohl in der Kunst als auch in der Produktgestaltung unserer Zeit als charakteristisch zu bezeichnen sind. Mir erscheint es wesentlich, dass die Ausgangsposition der Tätigkeit von Stephan Fillitz aus einem künstlerischen Potential erfolgt. Hier geht es zwar auch um technische
Geschicklichkeiten und Details, jedoch vielmehr um die Suche nach Grundsätzlichem, das über die Verwendungsfunktion hinaus, eine künstlerisch, skulptural, spirituelle Bereicherung des Lebens der Benützer seiner Produkte darstellt. Seine Position als Bildhauer kann als unangefochten bezeichnet werden. Die Kraft seines Ausdrucks überträgt sich fast zwingend in alle Bereiche, in denen von ihm Produkte entwickelt und gestaltet werden. Diese glückliche und auch kraftvolle Verbindung hat aus meiner Sicht einen geradezu vorbildhaften Charakter und unterscheidet sich wesentlich von den nur zu oft aus Routinehaltung entstehenden glatten, geschmeidigen, aber auch nichtssagenden Hervorbringungen sogenannter „Designer“. Es ist zu hoffen und zu wünschen, dass Stephan Fillitz auf seinem, von ihm als richtig erkannten Weg mit vollem Einsatz fortfährt zu agieren. So lässt sich erwarten, dass aus scheinbar polaren Positionen, wie jenen der Kunst, – der Skulptur und der Produktgestaltung gegenseitige Befruchtung erfolgt, die dem Gesamtwerk dieses Künstlers im Ganzen zugute kommt.


DI. Carl Auböck , 1996

statements  no think | no word

text 1

Realität sollte nicht abgebildet, sondern selbst gebildet werden – Kunst einer inneren Ordnung, einer transzendenten allgegenwärtigen Kraft.


Innere Ordnung kann nicht im einseitigen Sinn der Erscheinung gefunden werden. Wo exakte Konstruktion auf Inhalt trifft entsteht Ausdruck im Werk. Zum Bewusstwerden durch Zerlegen – Eingehen aufs Einzelne – tritt ein bildhaftes Bewusstsein in ein Ganzes.


Auf dem Fundament konstruktivistischer und geometrischer Gesetze entsteht aus deren Souveränität, Wahrhaftigkeit und Überzeugungskraft – hier ist Kunst verankert.


Kunst ist Ausdruck innerer transzendenter Strukturen und nicht Spekulation mit Formen!


Form als Ziel ist Formalismus, ist abzulehnen – Form an sich gibt es nicht. Es gibt keine Formprobleme – es gibt ausschließlich Ausdrucksprobleme. Interessante Formen erfinden ist leicht – großer Anstrengung bedarf es jedoch des Durcharbeitens – Konkretisierung, Gestaltung der Idee zum Gegenstand.


Ein Haus soll lediglich vor dem Regen schützen, wie das Essen vorm Verhungern. Es gibt auch geistiges Verhungern. Aus wenigen Mauern, offenen Glasstrukturen der Außenseiten – in der Natur vor dem Regen geschützt sein – baue ich mein Haus. Sein Leerraum, das Nichts, gibt ihm Wert – das Nichts ist Fülle.


System im System aller Systeme – Raum im Raum aller Räume – Sein im Sein allen Seins – hier ist der Beginn und die Dimension eines langen Wegs in eine geistige Welt.


Cogito ergo sum (ich denke also bin ich). Oder muss man den Wortlaut umdrehen – bin ich weil ich denke?


Erst durch Transzendenz ist meine Arbeit abgeschlossen.


Stephan Fillitz, 2017

statements  no think | no word

text 2

kunst ist nicht darstellung/ist ohne darstellung/form in licht.

kunst ist nicht ästhetik/ist inhalt.

kunst ist nicht inhaltsloser, leerer formalismus/ist fülle und nichts.

kunst ist nicht architektonischer raum/ist abstrakt.

raumkonzept ist nicht einzelnes tafelbild, plastik ect./ist installierte vision im abstrakten raum.

kunst sind nicht bilder, plastiken, grafiken ect./sind sichtbarmachung einer einstellung.

kunst ist nicht existenzialismus/ist kontemplation im unendlichen raum.

kunst ist nicht wert/ist frei jeder materialität – ist idee, inhalt.

kunst ist nicht zeitgeist, populismus/ist ohne zeit und mode – akut.

kunst ist nicht (nach)erzählung, interpretation, erklärung/ist selbständige, geistige auseinandersetzung – konkret.

kunst ist nicht für jedermann/ist für jedermann, der will.

kunst ist nicht für die allgemeinheit/ist elitär.

kunst ist nicht staatskunst/ist für das individuum.

kunst ist nicht national/ist international − global.

kunst ist nicht für bedürfnisse/entsteht aus bedürfnis, ist moralische verantwortung – verpflichtung.

kunst ist nicht ignoranz/ist fülle im nichts.


Stephan Fillitz, 1999

statements  no think | no word

text 3

die jahreszeiten, die bewegungen der vier elemente, die gezeiten des meeres, der wechsel von tag und nacht. sie sind zeichen der steten bewegung, signale der unendlichkeit.

sterne und mond bilden die lichter der nacht. die sonne beleuchtet die erde bei tag. zusammen bezeigen sie koordinaten eines unermesslichen raumes.

jeder himmelskörper steht in beziehung. erahnbar, fühlbar, jedoch nicht greifbar. nichts erlischt.

was gibt kraft?

leere.

der gedanke der unendlichen leere, das bewusstsein des seins.

wir glauben den alltäglichkeiten nachlaufen zu müssen.

sinn?

ist all mein streben und wollen vorausbestimmt?

welchen sinn gebe ich meinem dasein?

was ist mein inhalt?

denken, planen, überlegen, rationalisieren vor dem handeln. warum aber nicht die intention des inneren akzeptieren?

ich lasse zu. ich gehe in das nichts.
leer werden. mit dem geist eins werden.

geist und körper.

was bleibt?

einheit, die in der idee weiterlebt. zeichen, wie spuren im schnee. sinnbild des ausdrucks einer idee.

überall. gleichzeitig. wie musik − ohne festhalten. ohne ende.
festhalten bringt materielle und geistige not.
auf sich selbst vertrauen. akzeptanz der veränderung – warum scheint es so schwer?

schreiben ist verheerend. es ist die aktion des materiellen. selten gelingt es die sprache in eine dimension der grenzenlosen vorstellungskraft zu überführen. sprache ist determiniert. endgültig. determinierend und dennoch verwirrend. unscharf.

musik ist ohne materie. lediglich assoziation. ohne definierbare form.

was ist das? ist da etwas?

raum – ein ganzes. eine einheit von diesseits und jenseits.

ist ein teehaus ein teehaus? ist es zen?

form – geistiger ausdruck einer idee.

zen ist es.

form –ausdruck ohne idee.

bedeutungslos.

farbe ist leer und trotzdem fülle – w e i s s.

wolken entstehen und lösen sich auf.

wo ist vorne, hinten, rechts links, oben unten? hat es bedeutung?

die alltäglichkeit ist geistige herausforderung. mein tun und handeln entsteht aus eben diesem bedürfnis. sich dem bewusst werden, bedeutet bewusst handeln, nichts dem zufall überlassen, wie in einer teezeremonie − wie ein zengarten.

malerei – plastik.

begriffe.

ich möchte weiter.

möchte auflösen.

ich baue einen lichtraum.

licht – ende und anfang – unendlichkeit – leere und fülle – überall – ein zen-garten – ein garten im raster – weg – DO – ohne verhalten – ohne zeit – das meer als musik oder umgekehrt. als zusätzliche dimension.

leuchten – steigerung von w e i s s?

satori − spürbar?

verschwinden.

leere und unendliche fülle.
ich trete ein. ich bin mittendrin. ich stehe in der leere. im nichts. in riesiger fülle. in der geistigkeit, die mich festhält. in ihrer ruhe. ich werde leer. ich ahne. fühle. halte nicht inne. halte nicht fest.

überall. gleichzeitig. zeitlos.

bin ich noch?


Stephan Fillitz, 1998